Yoga - der Weg zu Christus
Die Yoga-Lehre ist die Lehre von der Vereinigung mit Gott, oder, was dasselbe ist, der „Weg zu Christus“, dem Gottmenschen, der im Herzen von allen wohnt. Sie ist die höchste von allen Lehren, sie lehrt den Weg zur Freiheit, Erlösung und Vollkommenheit.
Das Wort „Yoga“ stimmt überein mit dem Worte „Religion“ (von religere, lat. = zurückbinden) in seiner ursprünglichen und wahren Bedeutung. Beide Ausdrücke beziehen sich auf das unsichtbare Band, welches den Menschen mit Gott, d. h. die menschliche Erscheinung mit dem ihr zugrunde liegenden wahren göttlichen Wesen verbindet.
Ein Christ im wahren Sinne des Wortes ist ein Mensch, in dessen Seele das Licht der Gotteserkenntnis gedrungen ist. Wird er ganz von diesem Lichte erfüllt, so ist er Christus, d. h. er ist durch diese Vereinigung (Yoga) eins mit dem Einen unsterblichen und allgegenwärtigen Lichte der göttlichen Weisheit, eins mit Christus, dem Gottmenschen, geworden.
Franz Hartmann - Auszüge aus „Drei Abhandlungen über Yoga“
Es handelt sich nicht darum, sich etwas Neues, vorher nicht Vorhandenes anzueignen, sondern bloß um die Überwindung der Täuschung, welche uns glauben macht, daß wir etwas dem wahren Wesen nach von Gott Verschiedenes seien. Wenn wir unser eigenes falsches Selbst überwinden, dann kommt die Erkenntnis des wahren tiefinnersten Wesens von selbst, und wir sehen dann, was wir eigentlich immer und ewig selbst waren und bleiben sollen.
Soll das innere Werk sich vollziehen, so muß der Mensch alle seine Kräfte in sich sammeln, wie in einem Winkel seiner Seele; er muß sich vor allen besonderen Vorstellungen und Gestalten verschließen und zu einem Vergessen und Nichtwissen von allem, was nicht Gott ist, gelangen. In der Stille (des Herzens) und im Schweigen (der Begierden) muß es geschehen, wenn das Wort Gottes in ihm geboren werden soll.
Johannes Eckhart (Meister Eckhart)
Tue alles weg von dir, was nicht Gott ist, und es bleibt dann nur noch Gott übrig.
Meister Eckhart
Der Mensch, ein Strahl der ewigen Sonne des Weltalls, hat sich ein „Scheinselbst“ gebildet, und dieses Scheinselbst bildet sich ein, etwas von Gott Verschiedenes zu sein. Es handelt sich deshalb eigentlich nicht um eine Vereinigung von Gott und Mensch, die sich niemals getrennt haben, sondern nur darum, daß der Mensch den falschen Schein, die Täuschung, den Irrtum und Selbstbetrug überwindet, und dadurch zur Erkenntnis seines eigenen wahren Wesens, der Gottheit, gelangt.
Franz Hartmann - Auszüge aus „Drei Abhandlungen über Yoga“
Der Begriff „Yoga“ wird heute vielfach falsch verstanden und mißbraucht, was besonders auf den Hatha Yoga zutrifft. Wenn man sich an den ursprünglichen (ältesten) Sinn dieses Wortes hält, wie er in der Bhagavad Gita angewendet wird, dann bedeutet Yoga die „Vereinigung der Seele mit Gott (Atma, Brahma usw.)“. Dieser Begriff ist schon tausende von Jahren v o r der christlichen Zeitrechnung geprägt worden. In den dann folgenden Jahrtausenden wurde diese Lehre mehr und mehr „vermenschlicht“, d. h. sie wurde aus ihrer göttlichen Höhe immer tiefer in den Bereich der engen begrenzten und selbstsüchtigen Interessen des irdisch-persönlichen Menschen herabgezogen. Im Hatha Yoga hat diese Herabwürdigung des Göttlichen auf die Stufe des Menschlich-Egoistischen ihren stärksten Ausdruck gefunden. Dieser Abstieg in das Grobmaterielle ist so tief, daß der Hatha Yoga, wie er heute ausgebeutet wird, von wirklichem Yoga kaum noch eine Spur enthält. Seine gymnastischen Gliederverrenkungen und manche körperlichen Stellungen passen vielleicht in eine Zirkusvorstellung, aber sie haben nicht das geringste zu tun mit den Zielen des w a h r e n Yoga, die auf das Geistig-Göttliche gerichtet sind.
Für die Veredelung des moralischen Lebens, das Wachstum der Seele, wie auch für den Aufstieg des Menschen aus der groben Stofflichkeit zur Vergeistigung sind diese Übungen völlig wertlos.
Was nun die Atemübungen und die damit beabsichtigte Entwicklung der astralen Fähigkeiten des Menschen betrifft, die Zweck und Ziel des Hatha Yoga sind, so sind diese mit Gefahren verbunden, die um so schlimmer sind, je mehr der Mensch, der sie ausübt, dazu vom Egoismus angetrieben wird.
Johannes Fährmann im Vorwort zu „Drei Abhandlungen über Yoga“ von Franz Hartmann
Wer nur etwas Vergängliches liebt, der glaubt an Vergängliches, vereinigt sich mit ihm und wird wieder verwandelt; denn der Bewußtseinszustand, in den er dabei verfällt, ist nicht von ewiger Dauer; wer aber das höchste Ideal über alles liebt, der hat den höchsten Glauben, die höchste Kraft; er ist auf dem Wege zur Vereinigung mit dem höchsten Ideale, und das höchste Ideal wird in ihm selber verwirklicht. Deshalb spricht, wie die Bhagavad Gita lehrt, die Gottheit zum Menschen: „Wer mich über alles liebt, der geht in mich ein, und sein eigen wird meine Größe, mein Wesen, meine Kraft und Herrlichkeit.“
Franz Hartmann in „Autobiographische Schriften“
Die Vollendung besteht darin, daß der von der Ewigkeit ausgegangene und in das Zeitliche getretene Mensch wieder zu seinem Ursprunge, seinem wahren Wesen, zurückkehrt, und dies geschieht dadurch, daß er sein wahres Wesen in allen Dingen und alle Dinge in sich selber erkennt. Es ist diese höchste Stufe, welche jenseits der Vorstellung des menschlichen Verstandes liegt und nur intuitiv empfunden werden kann; kein Versinken des menschlichen Bewußtseins in Nichts, sondern ein Aufgehen des individuellen Bewußtseins im Allbewußtsein , wodurch das Allbewußtsein im Individuellen offenbar wird. Der eine ewige Geist, welcher die Täuschung der Selbstheit angenommen hatte und sein Spiegelbild für sich selber hielt, weil es ihm so gut gefiel, daß er in dessen Anschauung sein wahres Wesen vergaß, hat diesen Wahn des Sonderseins überwunden und sich von seinem täuschenden Selbst erlöst. Er ist wieder aus dem Reiche der Erscheinung in das Reich der Wahrheit, in Gott, das Alldasein eingegangen, er hat sein Werk vollendet, seinen Kreislauf vollbracht.
Franz Hartmann in „Karma. Wissen, Wirken und Werden“
Wenn der Mensch die eine allem zugrunde liegende Kraft in seinem Herzen ent-deckt, wird er eins mit dem Entdeckten und schält sich aus aller Verwirrung. Dies bedeutet, er überschreitet eine innere Grenze und betritt das Grenzenlose.
Große Stille, die alles umarmt, ewig frei von irdischem Lärm, so ist das Herz aller Herzen, so ist das Herz des Menschen, der die Grenze überschritten hat.
Mario Mantese in dem Buch „Lebenstiefen Deiner Seele“