Meditation
Wenn du meditierst ist das eine subjektive Tätigkeit des Egos, sei dessen gewahr. Das Ego bemüht sich, Nicht-Ego zu werden. Es übt, die Gedanken zu kontrollieren und die Atmung zu beherrschen, und nennt diese Aktivität Meditation und die dabei empfundene Ruhe meditativen Zustand. Wenn du erwachst, löst sich das handelnde Ego auf und Meditation stellt sich ganz natürlich ein. Gott übt nicht, Gott zu sein. Das Ich übt. Das Ich glaubt, etwas verloren zu haben oder etwas dazugewinnen zu können, doch das Ewige ist immer hier und jetzt, du kannst es nie werden oder wollen.
Spirituelle Anstrengungen zeigen sich schlußendlich als eitler Wille des Egos, denn es hat vor allem einen Wunsch: zu kontrollieren, zu herrschen und zu beherrschen. Das Ego hat erfolgreich gelernt, sich selbst zu beherrschen und zu kontrollieren, und es nennt diese Bemühungen merkwürdigerweise spirituell! Befreie dich von diesem eitlen Begehren und wende dich dem zeitlosen Frieden, der großen Stille zu.
Laß die heilige universelle Geisteskraft die Führung deines Daseins übernehmen, denn für dich gibt es nichts zu tun.
Wenn dies realisiert wird, erhält das Wort „Hin-Gabe“ eine neue Tiefe, eine neue Bedeutung. Hingabe entfacht die reine Intuition, doch Intuition hat nichts mit Denken und Üben gemeinsam. Intuition ist unmittelbares Gewahrsein dessen, was du wirklich nicht bist und die Realisation dessen, was immer ist.
Mario Mantese - Auszüge aus "Das, was du wirklich bist"
Wer auch immer, ohne das Unvergängliche zu kennen, Riten und Zeremonien durchführt und sich asketischen Übungen unterzieht, selbst viele Jahre lang, hat geringen Nutzen davon, weil Riten, Zeremonien und asketische Übungen allesamt vergänglich sind. Jeder, der stirbt, ohne das Unvergängliche zu kennen, stirbt in bedauernswertem Zustand; aber diejenigen, die das Unvergängliche kennen, erlangen Unsterblichkeit, wenn beim Sterben der Körper abgelegt wird.
Das Unvergängliche ist das Sehende, wenngleich nicht gesehen; das Hörende, wenngleich nicht gehört; das Denkende, wenngleich nicht gedacht; das Erkennende, wenngleich nicht erkannt. Nichts anderes als das Unvergängliche kann sehen, hören, denken oder erkennen.
Brihadaranyaka Upanishad
Ein Asket saß meditierend in einer Höhle. Da huschte eine Maus herein und knabberte an seiner Sandale. Der Asket öffnete verärgert die Augen: „Warum störst du mich in meiner Andacht?“ „Ich habe Hunger“ piepste die Maus.
„Geh weg, törichte Maus“ predigte der Asket, „Ich suche die Einheit mit Gott, wie kannst du mich dabei stören!“
„Wie willst du dich mit Gott vereinigen“ fragte da die Maus, „wenn du nicht einmal mit mir einig wirst?“
Als Meister Ma-dsu die Erleuchtung noch nicht erlangt hatte, bemühte er sich im Kloster des Huai-jang, der Meditation hingegeben, um die Wahrheit. Tag um Tag verbrachte er, schweigend, in Meditationshaltung auf dem Boden hockend und fand doch nichts. Eines Tages aber fragte ihn Huai-jang: „Sag, was hockst du da die ganze Zeit?“ – „Ich will zum Buddha werden“, erwiderte Ma-dsu. Da nahm Huai-jang einen Ziegelstein vom Boden und begann, ihn an der Wand zu zerreiben. Ma-dsu fragte erstaunt: „Was macht ihr da?“ Huai-jang sagte: „Ich will den Ziegelstein so lange glattreiben, bis ein klarer Spiegel daraus wird.“ Erstaunt und etwas verwirrt fragte Ma-dsu: „Wie kann denn durch Reiben aus einem Ziegelstein ein Spiegel werden?“ Da fragte Huai-jang zurück: „Und wie kann aus dir durch Hocken ein Buddha werden?“ In diesem Augenblick erfuhr Ma-dsu die Erleuchtung.