Die Upanischaden

Auszüge aus diesen wunderschönen spirituellen Texten:

Wie zwei goldene, in engster Freundschaft auf ein und demselben Baum thronende Vögel wohnen das Ego und das Selbst in demselben Körper. Das Erstere ißt die süßen und sauren Früchte vom Baum des Lebens, während das Letztere innerlich losgelöst zusieht.

Solange wir meinen, wir seien das Ego, fühlen wir uns anhaftend gebunden und verfallen in Kummer. Aber werde inne, daß du das Selbst bist, der Herr des Lebens, und du wirst gewißlich von Kummer befreit.

Sobald du dessen innerwirst, daß du das Selbst bist, die höchste Quelle des Lichts, die höchste Quelle der Liebe, transzendierst du die Dualität des Lebens und trittst in den Vereinigungszustand ein.

Nicht durch diskursives Erörtern, nicht durch den Verstand, nicht einmal durch das Studium der heiligen Schriften läßt sich das Selbst realisieren. Das Selbst offenbart sich demjenigen, der sich nach dem Selbst sehnt. Jene, die sich von ganzem Herzen nach dem Selbst sehnen, werden vom Selbst als ihm zugehörig erwählt.
Mundaka-Upanischad

 

Das Selbst ist frei von Begehren, frei von Übel, frei von Furcht. Wie ein Mann in den Armen seiner Geliebten kein Gewahrsein hat von dem, was außen, und dem, was innen ist, so hat ein Mensch in der Vereinigung mit dem Selbst kein Gewahrsein von dem, was außen, und dem, was innen ist, denn in diesem Vereinigungszustand finden alle Begehren ihre vollkommene Erfüllung. Es gibt kein weiteres Begehren, das erfüllt werden müßte, und man geht über den Kummer hinaus.

In diesem Vereinigungszustand sieht ein Mensch, ohne zu sehen, denn es gibt nichts von ihm Getrenntes; riecht er, ohne zu riechen, denn es gibt nichts von ihm Getrenntes; schmeckt er, ohne zu schmecken, denn es gibt nichts von ihm Getrenntes; spricht er, ohne zu sprechen, denn es gibt nichts von ihm Getrenntes; hört er, ohne zu hören, denn es gibt nichts von ihm Getrenntes; berührt er, ohne zu berühren, denn es gibt nichts von ihm Getrenntes; denkt er, ohne zu denken, denn es gibt nichts von ihm Getrenntes; erkennt er, ohne zu erkennen, denn es gibt nichts von ihm Getrenntes.
Brihadaranyaka-Upanischad

 

Steht auf! Wacht auf! Sucht die Anleitung eines erleuchteten Lehrers und realisiert das Selbst. Scharf wie eine Rasiermesserschneide, sagen die Weisen, ist der Pfad, schwierig zu durchschreiten.

Das höchste Selbst ist jenseits von Name und Form, jenseits der Sinne, unerschöpflich, ohne Anfang, ohne Ende, jenseits von Zeit, Raum und Kausalität, ewig, unwandelbar. Jene, die das Selbst realisieren, sind für immer aus den Klauen des Todes befreit.
Katha-Upanischad